Heimat- und Geschichtsverein
Dornheim 1986 e.V.
Wir versuchen, Geschichte zu erhalten

Halbtagesausflug nach Messel

Am Samstag, den 20. Oktober 2007 nahmen Mitgliedern des HGV - Dornheim 1986 e.V. am Ausflug der Wällerstädter SPD nach Messel zur geführten Besichtigung des Fossilien- und Heimatmuseum Messel (des Museumsvereins Messel e.V.) und zum geführten Grubenspaziergang in der Grube Messel (der Welterbe Grube Messel gGmbH) teil. Wir danken unserem HGV-Dornheim Vereinsmitglied Herrn Ali Khodaverdian (Vorsitzender des SPD Ortsverein Groß-Gerau) sehr, dass er uns zur Teilnahme zu der Tour zum Welterbe Grube Messel - "Schaufenster ins Leben (einzigartig, faszinierend und ästhetisch)" eingeladen hat.

In Deutschland gibt es zur Zeit 32 UNESCO Welterbestätten, von denen die Grube Messel die einzige Weltnaturerbestätte ist, die andren 31 sind Weltkulturerbe.
Zuerst nach der Ankunft in Messel hatten wir Dornheimer HGV – Mitglieder das Glück, dass die erste Bus – Gruppe mit uns zuerst das Museum in Messel besichtigte.

Eingang zum Fossilien- und Heimatmuseum Messel

Nach der freundlichen Begrüßung durch den Fachwissenschaftler Herrn Dr. Treichel wurde uns im kleinen (aber sehr feinen) Museum zuerst erklärt, dass ohne die industrielle Ausbeutung des entdeckten Ölschiefervorkommen es nicht zu den Fossilienfunden in diesen Umfang gekommen wäre.
Die Bergwerks- und Industriegeschichte Messels ist die Basis für die heutige Bedeutung als Fossilenfundstätte.
Am 30. Dezember 1875 wurde das erste Krokodil in Messel gefunden.
In Messel entstand nach der Entdeckung des Messeler Ölschiefers und den Braunkohle schichten im 18. Jahrhundert, besonders ab 1884 (Gründung der Gewerkschaft Messel) ein ganz neuer Wirtschaftszweig die Rohöl, Teer- und Paraffingewinnung und die Herstellung von Diesel und Benzin.
Die Bilder aus dem letzten Jahrhundert auf denen Einrichtungen des Werkes und Teile der Belegschaft dargestellt sind, lassen wie die ausgestellten Produkte des Werkes die lange Industriegeschichte der Grube Messel zeitweilig lebendig werden.
Die speziell entwickelten Messeler Schwelöfen der Gewerkschaft Messel (bis 1923) zur Verarbeitung des Ölschiefers (Messeler Braunkohle ist als Brennmaterial ungeeignet) erbrachten eine hohe Ausbeute von über 95% an Rohöl.

Förderwagen (Hunt in Bergmannsprache) zur Förderung von Kohle

Im Jahr 1924 erzeugte die Grube Messel ca. 25 % der deutschen Erdölproduktion.
An einem Modell der „Messeler Schwelöfen“ wurde uns genau erklärt, wie aus dem Ölschiefervorkommen die entsprechenden Inhaltsstoffe gewonnen wurden.
Mein Großvater Georg Philipp Appel arbeitete bis Mitte 1933 viele Jahre in der Grube Messel an den Schwelöfen und erzähle mir vielfach über die schwere Arbeit an den Messeler Schwelöfen. Besonders anstrengend war immer der Einstieg in die Schwelöfen zum entfernen von heißen Schlackeresten.
Die Produktionsanlage des Werkes in Messel wurden Anfang 1945 durch Bordwaffenbeschuss von Amerikanischen Flugzeugen stark beschädigt.
Nach der Beschlagnahme des Werkes durch die amerikanische Militärregierung 1945 und sofortigem Wiederaufbau beginn nach dem Kriegsende wurde in den ersten Nachkriegsjahren (Produktion unter amerikanischer Aufsicht bis 1953) rasch die Vorkriegsproduktion wieder erreicht.
Im März 1962 wurde der Kern des Werkes, die Schwelerei stillgelegt und die Paraffin- und Mineralölproduktion eingestellt.
Der schon zeit 1962 stark begrenzte industrielle Ölschieferabbau wurde 1971 endgültig eingestellt.
Vor dem Rundgang erläuterte uns der Biologe Herr Dr. Treichel außerdem noch sehr sachkundig, genau und ausführlich die verschiedenen Präperationsmethoden der in der Grube Messel gefundenen Fossilien.
Beim Rundgang im ersten Stock des Museums erläuterte uns unser sachkundiger Museumsführer Herr Dr. Treichel einen Teil der vielen (sich im außergewöhnlich guten Erhaltungszustand befindlichen) Fossilienfunde.
In der Ausstellung wird der Zeitabschnitt der früheren Mittel -Eozän (der geologischen Zeitskala) vor ca. 47 Millionen Jahren sehr gut repräsentiert.
Im Urwaldsee wurden unter anderem zwischenzeitlich 109 Pflanzenfamilien, 50 Vogel- 8 Fisch- und über 30 Reptilien arten und ebenfalls über 30 Arten wirbelloser Tiere nachgewiesen.


Messeler Urpferdchen

Zahlreiche Tiere und Pflanzen des Sees und seiner Umgebung wurden im Seeschlamm eingebettet. Sie sind zum Glück bis heute mit Haut und Harren erhalten geblieben.
Bei den Originalfossilien begeisterte uns besonders die Messeler Urpferdchen mit Fohlen, Jungtieren und erwachsenen Exemplaren.
Auch die Vielzahl der Schildkröten, Kröten, Krokodile, Schlangen, Vögel und Frösche.
Ein weiterer Highlight für uns waren auch die vielen Urraubtiere und Raubtiere.

Krokodil

Die Evolution der fossilen Säugetieren zeigt sich aus den Funden der Grube Messel sehr eindrucksvoll und gibt ein Bild von den einmaligen Fossilisationsbedingungen im tertiären Messeler Urwaldsee.
Wir bedauerten sehr, dass wir das Museum mit unserem freundlichen Museumsführer verlassen mussten, aber wir waren jetzt sehr gespannt auf die nachfolgende geführte Exkursion in die dem Berg recht unterliegende und für die Öffentlichkeit nicht frei zugängliche Weltnaturerbestätte Grube Messel.

Blick in die Grube Messel, an einen schönen Herbstabend

An der Grube angekommen sehen wir zuerst Industriegelände, Lastwagen und rostrote Hügel .
Auf den „Grube Messel entdecken“ - Tafeln, auf der Aussichtsplattform und in der kleinen Infostation mit fachlichen Informationen, Bildergalerie, Literatur, Messel-Souvenirs und ein Film konnten wir uns mit weiteren Informationen über die spannende Thematik weiter einstimmen.
Zum Grubenspaziergang wurden wir ebenfalls sehr freundlich, durch die pädagogisch geschulte Geologin Frau Karin Hinkelmann begrüßt.
Zuerst wurde uns erläutert, dass die Grube Messel tatsächlich vulkanischen Ursprung ist. Auf einer Störung drang heiße Gesteins schmelze auf. Der Kontakt der heißen Schmelze mit Grundwasser führte zu einer Wasserdampfexplosion, ein Maarvulkan bricht aus.
Nach dem Ende des Vulkanausbruches füllte eindringendes Grundwasser das entstandene Loch. Ein See war entstanden, die damalige Naturkatastrophe stellt sich heute als Glücksfall heraus
Die in 2001 abgeteufte Forschungsbohrung Messel förderte aus einer Tiefe von 268 Meter ein Fragment basaltischen Gesteins und ermöglichte erstmal den Nachweis, dass es sich bei der Lagerstätte um einen Maarsee handelte und lieferte die entscheidenden Proben für die Altersdatierung (radiologisches Alter für den Messel-Vulkanismus von 47,8 ±0,2 Millionen Jahre) .
Die riesigen Leuchtend rote Schlackenhalden, an denen wir zuerst vorbei wanderten stammen noch aus den Zeiten vor 1971 als noch Bergbau und Industrie betrieben wurde.
Wir blicken jetzt genauer in eine riesige Hohlform - die Grube Messel, entstanden durch den Tagebau (ca. 700 x 1000 Meter). Wir sehen viele Zeugnisse der Industriegeschichte (den dunklen Ölschiefer in dem die Fossilien enthalten sind) und auch die heutige Natur, die sich langsam wieder auf den Ölschieferhalten ansiedelt.
Auf dem weiteren Weg taucht schließlich schwarzes Gestein auf - der Ölschiefer.
Zuletzt sehen wir die Grabungsstellen und unsere Grubenführerin Frau Hinkelmann erläuterte uns sehr informativ und sachkundig über interessante Details der Grube Messel.
In ihrer munteren Vortrags weise informierte uns Frau Hinkelmann weiter sehr informativ besonders über die Ausgrabungen, die Bergung und sofort notwendige Aufbewahrung der Fundstücke in Wasser (wenn der Ölschiefer in dem die Fossilien enthalten sind austrocknet, zerfällt er in sehr kurzer Zeit).

Frau Hinkelmann zeigt aktuelle gefunde Fossilien

Sehr freute viele Tourteilnehmer besonders, dass sie aus dem Container mehrere Ausgrabungsschätze uns nicht nur zeigte, sondern dass wir die Stücke die Jahrmillionen unter der Erde im schwarzen Gestein verborgen waren auch anfassen durften.

Die Teilnehmer durften auch ein paar Fossilien anfassen

Die wissenschaftliche Bedeutung der Fossilien und wie es in Messel weiter geht wurde uns ebenfalls sehr freudig und informativ von ihr mitgeteilt.
Wenn man wie ich in den Jahren 1971 bis 1977 sehr viel in der Grube Messel (auch bei Ausgrabungen) war, ist man über die positiven Veränderungen schon erstaunt und sehr erfreut, dass die Grube doch nicht mit Müll verfüllt wurde.
Die Besucher vom Dornheimer Heimat- und Geschichtsverein waren uns einig, wenn das in Bau befindliche „Zeit & Messel Welten“ Informationszentrum (die besondere Architektur des Gebäudes greift die blättrige Struktur des Ölschiefers auf) voraussichtlich in 2008 eröffnet wird, wollen wir spätesten wiederkommen.
Zum Abschluss kehrten wir abends in die bekannte historische Speisegaststätte „Oberwaldhaus“ ein und konnten sehr schnell unsere schon nachmittags vorbestellten Essen in Empfang nehmen.
Wir beendeten unseren Messel-Gruben-Besuch in sehr gemütlicher Runde.
Wir danken dem Vorstand der Wällerstädter SPD und besonders seinem Vorsitzenden Herrn Jochen Auer für die gute Organisation und die Mitnahme zu diesem lohnenden Ausflug ziel in unmittelbarer Nachbarschaft.

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