Anno dazumal Kartoffelernte
Der Kartoffelacker der Familie Luckhardt in Dornheim wurde zum
Ausstellungsgelände des
Heimat- und Geschichtsvereins umfunktioniert. Der Dornheimer Verein hatte zur
„Kartoffelernte anno dazumal“ eingeladen. Im Besitz des Vereins befinden sich mehrere
historische Erntegeräte, die der ehemalige Vorsitzende Ludwig Luckhardt zusammentrug.
Was heute mit einem so genannten Vollernter, der die Kartoffeln in einem Arbeitsgang aufnimmt
und Ranken und Erde zurück auf den Acker wirft, weitgehend automatisiert abläuft, war früher
harte Feldarbeit.
„Wir ernten etwa fünf Tonnen Kartoffeln in zwei Stunden“, erklärt Landwirt
Wilhelm Luckhardt.
Mit der historischen Kartoffelschleuder, die den zahlreich erschienenen
Besuchern vorgeführt wurde, hätten mindestens sechs Personen für diese Menge zwei Tage benötigt,
schätzt Luckhardt. Die Kartoffeln wurden mit dem Gerät ausgegraben und zur Seite geschleudert. Die
Helfer mussten sie dann aufsammeln und direkt auf dem Feld in Säcke packen oder mit Körben zu den
Wagen transportieren.
Am Samstag übernahmen die Besucher die Aufgabe der Erntehelfer und sammelten fleißig Knollen ein,
die sie als Lohn für die Arbeit behalten durften.
„Früher verdienten sich die Schulkinder so ein paar Pfennige dazu“, erzählte Meinhard Semmler,
zweiter Vorsitzender des Vereins. Die Herbstferien seien sogar Kartoffelferien genannt worden.
Und auch die älteren Besucher konnten sich noch gut daran erinnern, selbst „auf dem Acker
Kartoffeln aufgelesen“ zu haben.
Ludwig Görlich (85), Ehrenmitglied des Vereins, und Georg Schneider (78) legten selbst Hand an
und demonstrierten wie die Ernte ablief, bevor Maschinen zum Einsatz kamen. Mit Harken gruben
sie die Kartoffeln aus dem Acker. Auch interessierte Besucher konnten sich an dem Gerät
ausprobieren „Bei festem Boden wie hier auf dem Feld ist das ziemlich anstrengend“, sagte
Schneider nach verrichteter Arbeit.
Um nicht nur Einblicke in die Kartoffelernte in früheren Zeiten zu bekommen, sondern auch
etwas über das Nachtschattengewächs selbst zu erfahren, gaben Vereinsvorsitzender Werner Appel
und Meinhard Semmler einen kurzen Überblick zur Geschichte der Kartoffel.
Sie berichteten von ihrem Ursprung in Südamerika, dass sie spanische Seefahrer im 16.
Jahrhundert von Peru aus nach Europa gebracht hatten und die Kartoffel heute eines der
wichtigsten Nahrungsmittel weltweit sei. 300 Millionen Tonnen werden jährlich rund um den
Globus geerntet.
„Ich könnte einen Überblick zu 13 000 Jahren Geschichte der Kartoffel geben“, sagte Appel,
der diese „Drohung“ aber nicht wahr machte. Stattdessen bot sich für Besucher Gelegenheit,
bei Essen – wobei natürlich die Kartoffel im Mittelpunkt stand – und Getränken Erinnerungen
rund um die Feldfrucht auszutauschen. Zu erzählen gab es dabei einiges. Denn, so merkte
Semmler an, „die Kartoffel ist eine tolle Knolle“.
Quelle: Echo Online, 15.09.2009
Bilder: HGV Dornheim