Die Geschichte der Füllimbs
Der Hof
Riedhausen wurde 1159 erstmal urkundlich als "Villa Rithusen" erwähnt,
mit 932 Morgen Äcker
und Wiesen. Er kam 1249 zum Zisterzienser-Kloster Eberbach, das
bereits die Höfe Hayna und Bensheim besaß. Die
Zisterzienser waren ausgezeichnete Ordensmänner und Ökonomen.
Die Arbeit jener Mönche, Ackerbau und Viehzucht betreffent, wirkt heute noch im Ried nach.
Der Riedhäuserhof, der heute zur Gemarkung Dornheim gehört, war
durch einen „Korridor“, dem Gassenweg oder Ridscherweg, mit
Dornheim verbunden. Für den seit 1160 verpachteten 4, 5 Meter
breiten Weg, der beidseitig mit Dornenhecken begrenzt war, wurde
jährlich eine Pacht fällig. Sie bestand aus 14 Gulden, 30 Albus
und einem Imbiss am dritten Pfingstfeiertag, genannt „die Füllimbs“. Dabei
gab es u.a. Schweinepfeffer, Schwarzern Brei, Dörrfleisch, Käse,
Brot, Eierpfannkuchen sowie 6 Viertel (48 Liter) Wein oder Bier.
Der Name
„Füllimbs“ entstand u.a. dadurch, dass der Riedhäuserhof
seine Gänse und zwei Füllen (Fohlen) auf die Dornheimer
Weiden treiben durfte.
Anfangs kamen zu diesem Imbiss der
amtierende Gemeinderat, die beiden Pferde- und Füllhirten, der
Schulmeister und die Schulbuben.
Als die Zahl der Beteiligten wuchs kam es öfter zu Auseinandersetzungen und zu
Handgreiflichkeiten. Die zu einem juristischen Schreit fürhten und erst nach etlichen Jahren
(am 1. Juli 1698) in einem Vergleich endeten.
"... daß beyde Theyle sich dergestalt verglichen:
Daß das Kloster Eberbach der Gemeinde Dornheim von nun an und zu Ewigen
Tagen jährlich und eines jeden Jahres besonders auf Pfingsten
Fünfzig drei Gulden jeden zu 30 Albus Frankfurter Währung
zahlen, hingegen den Füllimbs gänzlich cessieren (abtreten)
solle."
Dieses wurde unterzeichnet:
"Georg Berghofer, hessischer Regierungsrat;
Martin Balthasar Auß, Rentmeister zu Dornberg;
Alberius, Abt zu Eberbach;
Johann Braun, Sindicus daselbst;
Für Dornheim:
Johann Adam Victor;
Adam Spieß
Johann Jakob Metzger;
Jost Hauf;
Wendel Weigand"
Der Heimat- und Geschichtsverein Dornheim hat dieses historiches Fest im Jahre
1988 wieder aufleben lassen. Seit einigen Jahren findet es wieder im Ortskern an
Fonleichnam statt.
Quelle:
Kreisstadt Groß-Gerau [Hrsg.]:
Reichsdorf Dornheim,
Groß-Gerau, 1979.